Kulturwandel Blog

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Der Schreiner und die Lean Grundidee

Veröffentlicht von Dr. Bernd Müssig
am
Tuesday, 19 September 2017
in Lean Management

Die Grundidee von Lean ist die Optimierung der Organisation. Dazu gehören

  • die Gestaltung der Arbeitsplätze selbst,
  • das Zusammenwirken der Arbeitsplätze in Prozessen und Strukturen
  • und der Zweck für den die Arbeit verrichtet wird.

Lean wird heute als ganzheitliches System verstanden. Die wichtigsten Elemente dieses Systems sind:

  • die Philosophie, die die grundlegende Denkweise beschreibt, die als Lean bezeichnet wird (z.B. „Probleme sind Schätze“, „Ausrichtung am Kundenwert“).
  • die Prinzipien, die die Gestaltungsregeln definieren (z.B. Fließprinzip, Ziehprinzip)
  • und die Methoden, die die Werkzeuge darstellen, um die Prinzipien umzusetzen (z.B. 5S, Kanban)

Eine klare Abgrenzung zwischen Philosophie, Prinzipien und Methoden ist nicht wirklich möglich, da eine eindeutige Unterteilung bei der Entstehung von Lean nicht vorgesehen war. Lean ist aus vielen einzelnen pragmatischen Hilfsmitteln entstanden und gleicht eher einem Puzzle, dessen Teile sich teilweise überlappen.

Wir haben diese Unterteilung gewählt, um Ihnen die Zusammenhänge besser vermitteln zu können. Am einfachsten lässt sich das anhand einer Analogie (z.B. am Schreinerhandwerk) aufzeigen.

Die Lean-Methoden entsprechen den Werkzeugen des Schreiner: Säge, Hobel, Stemmeisen etc. Wenn ein Schreiner beispielsweise einen Möbelstück bauen möchte ist natürlich das Vorhandensein des Werkzeugs nicht ausreichend. Er muss die Fähigkeit besitzen, das Werkzeug richtig anzuwenden. Um ein Möbelstück zu bauen, braucht er Holz (das entspricht bei Lean dem Arbeitsplatz oder dem Prozess, der verbessert werden soll) und einen klaren Auftrag was für ein Möbelstück herauskommen soll (das Ziel der Lean-Optimierung – Lean ist kein Selbstzweck).

Wenn der Schreiner Werkzeug, Material und Auftrag hat, kann er allerdings immer noch nicht damit beginnen den Tisch zu bauen. Er muss natürlich die Regeln kennen, wie sich Holz verhält und bearbeitet werden muss (Holz verhält sich entlang der Wachstumsrichtung anders als quer dazu / wenn Holz falsch lackiert wird, ist es beispielsweise nicht witterungsbeständig). Bei Lean entspricht dies den Gestaltungsregeln oder Prinzipien. Nur wenn diese Prinzipien bei der Anwendung der Methoden richtig berücksichtigt werden, entfalten sie ihre Wirkung. Die Prinzipien sind universell und lassen sich eindeutig beweisen. Wechseln wir allerdings den Werkstoff von Holz zu Eisen, ändern sich teilweise die Regeln, manche bleiben aber auch gleich. Gleiches ist bei unterschiedlichen Prozessketten wie beispielsweise der Entwicklung oder Produktion zu beobachten.

Die Philosophie dagegen ist sehr stark vom Zeitgeist und der Denkweise der Menschen abhängig. Beim Tisch würde sie dem Stil entsprechen, wie ein Tisch auszusehen hat. Im Barock beispielsweise war das Ideal eines Tisches viel anders als in der heutigen Zeit. Nichtsdestotrotz haben viele Aspekte der Philosophie durchaus langfristig Bestand. Zum Beispiel hatten die meisten Tische früher vier Beine und so ist es heute immer noch. Auf Lean übertragen heißt das, dass sich die die Prinzipien sich sehr stark nach den Denkmustern der Organisation und unserer heutigen Gesellschaft richten. Eine Internet-Start-Up-Firma benötigt teilweise andere Denkweisen wie ein traditionelles Produktionsunternehmen. Bei Denkweisen ist die Richtigkeit häufig Ansichtssache. Insofern finden sich Unternehmen, die Lean durchaus unterschiedlich interpretieren.

Viele typisch bekannte Lean-Begriffe wie beispielsweise „Kanban“ vereinen Methode (Steuerung des Materialnachschubs), Prinzip (hinter Kanban steckt das Ziehprinzip) und Philosophie (Kanban ist eine Steuerungsmethode vs. Kanban ist eine Optimierungsmethode). Wir helfen Ihnen die unterschiedlichen Sichtweisen zu verstehen, damit Sie für sich selbst entscheiden können, was für Sie passt und was nicht. Letztendlich ist es Ihre persönliche Lean-Reise, die Ihnen niemand abnehmen kann. Und gerade das ist das spannende an Lean. So wie sich der Tisch über die Jahrhunderte weiterentwickelt hat, wird es auch beim Verbesserungsdenken sein, auch wenn das Wort „Lean“ vielleicht schon lange ausgestorben sein wird. Denn das Streben nach Verbesserung ist uns als Menschen in die Wiege gelegt.

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Markiert in: Lean Management