Für die erste Orientierung lassen sich Konfliktgegenstände zwei durchlässigen Bereichen zuordnen: sachlich-strukturellen und sozial-relationalen Konfliktgegenständen. Die Grenze zwischen diesen Bereichen ist nicht scharf – Rollen, Macht, Werte oder Fairness haben häufig sowohl strukturelle als auch soziale Komponenten.
Sachlich-strukturelle Konfliktgegenstände
Sachlich-strukturelle Konflikte betreffen vor allem Aufgaben, Ziele und die organisatorischen Bedingungen der Zusammenarbeit.
Ziel- und Prioritätskonflikte
Die Beteiligten verfolgen unterschiedliche Ziele, Prioritäten oder Erfolgskriterien. Beide Positionen können aus ihrer jeweiligen Verantwortung heraus nachvollziehbar sein. Diagnostische Leitfrage: Was wollen die Beteiligten erreichen, und was soll Vorrang haben?
Sach- und Aufgabenkonflikte
Die Beteiligten beurteilen Informationen, fachliche Fragen, Lösungswege oder Entscheidungen unterschiedlich. Zum Konflikt werden sie, wenn die Positionen als unvereinbar erlebt werden oder die gemeinsame Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt wird. Diagnostische Leitfrage: Was ist aus Sicht der Beteiligten fachlich richtig oder die beste Lösung?
Prozess- und Vorgehenskonflikte
Die Beteiligten sind sich nicht darüber einig, wie eine Aufgabe bearbeitet oder die Zusammenarbeit organisiert werden soll. Strittig können Abläufe, Methoden, Reihenfolgen oder Beteiligungsformen sein. Diagnostische Leitfrage: Wie wollen wir vorgehen und zusammenarbeiten?
Rollen- und Verantwortungskonflikte
Die Beteiligten erleben Erwartungen an Zuständigkeit, Verantwortung oder Entscheidungsrechte als unklar oder widersprüchlich. Ein Rollenkonflikt kann entstehen, wenn mehrere Personen dieselbe Entscheidungshoheit beanspruchen oder Verantwortung ohne die nötigen Befugnisse übertragen wurde. Diagnostische Leitfrage: Wer ist wofür zuständig, verantwortlich und entscheidungsberechtigt?
Ressourcen- und Verteilungskonflikte
Die Beteiligten konkurrieren um begrenzte Ressourcen wie Zeit, Budget, Personal oder Informationen. Hinter der sichtbaren Verteilungsfrage stehen häufig weitere Gegenstände: unterschiedliche Prioritäten, Vorstellungen von Fairness oder Auseinandersetzungen um Einfluss. Diagnostische Leitfrage: Wer erhält welche Ressourcen, nach welchen Kriterien und mit welchen Folgen?
Sozial-relationale Konfliktgegenstände
Sozial-relationale Konflikte betreffen stärker die Beziehungen, sozialen Positionen und normativen Vorstellungen der Beteiligten.
Macht- und Statuskonflikte
Die Beteiligten ringen um Einfluss, Kontrolle, Autonomie, Anerkennung oder Entscheidungshoheit. Machtkonflikte müssen nicht offen ausgetragen werden – sie können sich auch darin zeigen, wer Informationen erhält oder die Deutung einer Situation bestimmen darf. Diagnostische Leitfrage: Wer kann bestimmen, beeinflussen oder entscheiden?
Werte- und Normenkonflikte
Die Beteiligten vertreten unterschiedliche Vorstellungen darüber, was richtig, legitim, angemessen oder fair ist. Werte lassen sich meist nicht wie Sachfragen durch zusätzliche Informationen klären – sie müssen zunächst sichtbar gemacht und in ihrer Bedeutung verstanden werden. Diagnostische Leitfrage: Welche Grundsätze sollten aus Sicht der Beteiligten gelten?
Loyalitäts- und Zugehörigkeitskonflikte
Eine Person oder Gruppe erlebt unterschiedliche Verpflichtungen als unvereinbar. Was für eine Seite wie Widerstand aussieht, kann für die andere ein Ausdruck von Loyalität sein. Diagnostische Leitfrage: Wem oder was fühlen sich die Beteiligten verpflichtet?
Beziehungskonflikte
Die Beziehung der Beteiligten ist durch Spannungen, Verletzungen, fehlende Anerkennung, Misstrauen oder persönliche Unvereinbarkeiten belastet. Aussagen und Handlungen werden zunehmend als Ausdruck problematischer Eigenschaften oder Absichten der anderen Person interpretiert. Diagnostische Leitfrage: Wie erleben die Beteiligten ihre Beziehung zueinander?